Freitag, 31 Mai 2013 22:47

Europas Büroangestellte teilen untereinander Firmengeheimnisse

In Zeiten, in denen seit Monaten heftig über die EU-Datenschutzreform debattiert wird und Unternehmen dazu angehalten sind, die Daten ihrer Kunden bestmöglich zu schützen, zeigt eine neue Studie [1] des

Aktenarchivierungs- und Informationsmanagement-Spezialisten Iron Mountain, dass ein Drittel (35 Prozent) der europäischen Büroangestellten regelmäßig vertrauliche Firmendaten mit Kollegen teilt und ein Viertel (26 Prozent) Privates über andere Mitarbeiter weitergeben. Im Vergleich mit anderen europäischen Ländern sind die Deutschen im Durchschnitt aber immer noch am verschwiegensten.

Während in allen befragten europäischen Ländern mehr als ein Drittel (35 Prozent) der Befragten zugeben, Firmengeheimnisse mindestens ein Mal weitergegeben zu haben – in Spanien sind es sogar fast 45 Prozent –, sind die Deutschen mit25 Prozent noch am verschwiegensten. Auch bei der Weitergabe von privaten Details über Kollegen sind die Deutschen mit 17 Prozent zurückhaltender als der europäische Durchschnitt (26 Prozent).

Ganz oben auf der Liste der sich in Europa indiskret verhaltenden Mitarbeiter stehen das Personalwesen und Marketing. 43 Prozent der Angestellten im Personalwesen (HR) und fast die Hälfte der Marketing-Mitarbeiter (48 Prozent) geben zu, vertrauliche Firmeninformationen weitergegeben zu haben und ungefähr ein Drittel in HR und Marketing (38 beziehungsweise 33 Prozent) geben zu, schon mindestens einmal private Informationen über ihre Kollegen geteilt zu haben. Leitende Angestellte und Mitarbeiter in den Rechts- und Finanzabteilung sind ebenfalls anfällig für die Preisgabe vertraulicher Informationen. Bei den persönlichen Assistenten sind es ein gutes Drittel (29 Prozent) der Angestellten, die Details über das Privatleben anderer Mitarbeiter teilen. Was die Weitergabe von Firmengeheimnissen betrifft, liegen deutsche Marketingabteilungen jedoch weit über dem europäischen Durchschnitt: Stolze 58 Prozent der befragten Marketing-Mitarbeiter geben zu, vertrauliche Informationen über das Unternehmen weitergegeben zu haben.

Abteilungsleitung als Informationsquelle Nummer eins
Um Geschäftsgeheimnisse in Erfahrung zu bringen, würden sich die meisten Mitarbeiter in Europa als Erstes an die Abteilungsleitung oder an eine höhere Ebene wenden (41 Prozent). Andere Positionen wie zum Beispiel Personal-, IT- oder Marketing-Mitarbeiter sind hier weitaus weniger populär. Um an Geheimnisse über Kollegen zu gelangen, werden Mitarbeiter aus der Personalabteilung (27 Prozent) und Chefsekretäre (20 Prozent) am häufigsten ausgefragt; an redefreudige Marketing-Kollegen wird sich hingegen kaum gewandt. Auch der Vertrieb wird als weithin vernachlässigbare Quelle von Klatsch und Informationen angesehen.

„Die Studie zeigt eine beunruhigende Korrelation zwischen Mitarbeitern mit dem größten Zugang zu vertraulichen Informationen und der Bereitschaft, diese Informationen unter Kollegen zu teilen", stellt Hans-Günter Börgmann, Geschäftsführer von Iron Mountain Deutschland fest. „Unternehmen müssen Verantwortung für ihre Informationssicherheit übernehmen und sollten dies nicht dem Dokumentenmanagement oder der IT-Abteilung überlassen. Das Thema Datenschutz sollte nicht länger ein Nischendasein führen, jeder Mitarbeiter ist hierfür verantwortlich. Was die Informationssicherheit betrifft, sollte die Implementierung einer Kultur der Informationsverantwortung am Arbeitsplatz einen ebenso hohen Stellenwert haben, wie der Datenschutz und ein effektives Management von Papierdokumenten. Dabei geht es in erster Linie um die Anerkennung der Datenschutzrechte von Mitarbeitern sowie um den Schutz von Kundendaten."

Die Tatsache, dass Mitarbeiter Klatsch austauschen und ein ernsthaftes Interesse am Privatleben ihrer Kollegen zeigen, ist in einer Firma unvermeidbar. Iron Mountain empfiehlt Unternehmen daher, klare Richtlinien zu entwickeln und implementieren, die darüber aufklären, welche Informationen weitergegeben werden dürfen, und welche nicht.

 

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