Sonntag, 26 Mai 2013 14:20

Landausflug auf Penang

Auf den ersten Blick ist es ein Tempel wie viele andere in Fernost: die schweren Düfte der Räucherstäbchen, die vom jahrhundertelangen Rauch verdunkelten Innenräume, der Glanz und Flitter um die Altäre. Erst

wenn sich das Auge vom gleißenden Sonnenlicht draußen ans Halbdunkel gewöhnt hat, sieht man sie. Die Schlangen. Sie liegen überall, die giftigen Vipern. Auf den Altären, über den Deckenbalken, am Boden, selbst auf einer Leiter, die vermutlich für eine Reparaturarbeit benötigt wurde, ruhen sie, meist säuberlich auf einer Stufe, manchmal aber auch in seltsamen Verrenkungen. Es heißt, die als heilig verehrten Vipern seien in Trance, seien halbbetäubt von den Rauchopfern. Deshalb, so versichern die Touristen-Fotografen im Nebenraum, sei es auch völlig ungefährlich, sich mit einer der Schlangen am Busen ablichten zu lassen.

Das Geschäft mit der Schlange floriert, kein Landausflug, der nicht beim Schlangentempel stoppte auf der Rundfahrt über die kleine malaiische Insel Penang. Hier kennt man sich aus mit Fremden und deren Wünschen, schließlich ist Penang einer der ältesten Häfen der Region. Bereits 1786 übernahm der britische Captain Francis Light den damals schon florierenden Umschlagplatz vom Sultan von Kedah; Light blieb auf Penang, sein Grab ist auf dem alten Friedhof von Georgetown zu finden. Den Namen Georgetown erhielt die Inselhauptstadt in den britischen Tagen, in der Schifffahrtswelt blieb der Name der Insel ohnehin ein Synonym für den Hafen. Heute ist Georgetown ein beliebtes Ziel von Asien Kreuzfahrten.

So blieb es auch, als im letzten Jahrzehnt Penang für den Tourismus entdeckt wurde und an den schönen Stränden der Straße von Malakka neue Hotels entstanden, auch wenn die Wasserqualität an dem vielbefahrenen Seeweg nicht mit den klaren Fluten in anderen Ecken des Indischen Ozeans verglichen werden kann. Aus den frühen Tagen der englischen Herrschaft über Georgetown stammt auch Fort Cornwallis, eine Festung von 1810. Die bedeutendsten Bauwerke aus der Kolonialepoche sind das Old Court House und die St. Georg's Church, die Stadt hat es aber generell verstanden, etwas vom Charme der untergegangenen Epoche zu bewahren, ohne sein orientalisches Gesicht dabei zu verleugnen (wie dies in Singapur etwa der Fall ist). Nichts macht das spürbarer als ein Besuch im alten „E and O"-Hotel, das zwar mit dem Komfort der neuen Hotels an der Badeküste nicht mehr mithalten kann, aber immer noch einen Abglanz jener Zeit widerspiegelt, da es eines der besten Hotels im britischen Kolonialreich war. Dennoch: dominierend ist der britische Einfluss im Stadtbild nie gewesen. Georgetown blieb eine orientalische Stadt, geprägt von der (politisch brisanten) Mischung aus Malaien und Chinesen.

Die Religionen des Ostens sorgten für die bunten Tupfer, Georgetown ist reich an Tempeln und Tempelchen: Der Gnadengöttin Kuan Yin wird im Tong-Tempel gedacht. Zu den wichtigsten Gotteshäusern zählt der Doppeltempel Shiva/Sri Mariamman, der Shiwa und der Göttin Mariamman gewidmet ist. Die Göttin wird hier mit einer kostbar verzierten Statue verehrt; immer noch werden Edelsteine, Gold und Silber für die Figur gespendet. Die größte Tempelanlage von Penang steht auf einem Berg im Nachbarort Ayer Itam. Der in einen Park eingebettete Tempel Kek Lok Si endet in einer hohen Pagode; typisch für die Anlage ist die Mischung verschiedener Baustiele. Man erkennt neben chinesischen und malayischen Bauformen auch burmesische und thailändische Stilrichtungen - eine Mischung, die nicht nur architektonisch typisch ist für die alte Hafenstadt.

 

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