Donnerstag, 18 Juli 2013 15:36

Autismus - neue Therapieoptionen

Autismus ist eine Entwicklungsstörung, die in der Kindheit beginnt und bis ins Erwachsenenalter reicht. Die Symptome betreffenen drei Bereiche: die Sprache, die Motorik und das Soziale. Die soziale Interaktionsstörung besteht darin, daß Autisten
Schwierigkeiten haben, die Gefühle anderer Menschen zu verstehen. Das betrifft auch die nonverbale Kommunikation und das Zwischen-den-Zeilen-Lesen. Sprache wird erst sehr spät erlernt und bleibt auf einem wenig ausgereiften Niveau. Aus beiden Faktoren, der sozialen Ungeschicklichkeit und der nur unreifen Verfügbarkeit über das "Tool" Sprache resultiert eine schwere Kommunikationsstörung: man sagt, die Sprache sei wenig kommunikativ. Zusätzlich ist sie belastet durch Perseverationen und Stereotypien, also unnötig häufige und die soziale Umgebung belastende Wiederholungen. Auch trägt die Rede manchmal  roboterhafte und monotone Züge (gute Darstellung in dem Film "Rainman" mit Dustin Hofmann als Autist). Die Stereotypien beziehen sich nicht nur auf die Sprache sondern auch auf die Motorik, z.B. in Form von "Händewringen" oder "Schaukelbewegungen". Es wäre aber ein Fehler, grundsätzlich von einer Minderbegabung auszugehen. Es können in Teilleistungsbereichen sogar weit überdurchschnittliche Fähigkeiten bestehen (Merkfähigkeit für Zahlenreihen oder Telefonnummern, mathematische Begabungen, usw). Unspezifische Symptome wie sie auch bei Nicht-Autisten beobachtet werden, können ebenfalls auftreten: Befürchtungen, Phobien, Schlafstörungen, Essstörungen, Wutausbrüche, Aggressionen, Selbststimulationen bis hin zur Selbstschädigung.

Autismus ist eine hereditäre Erkrankung, d.h. sie wird vererbt und entsteht nicht, wie man früher meinte, durch eine frühe Beziehungsstörung zu der elterlichen Bezugsperson sondern durch Weitergabe genetischer Informationen mit dem Erbgut. Das körperliche Korrelat besteht in einem Fehlgleichgewicht von Hirnbotenstoffen, vor allem den neurobiochemisch bedeutsamen Substanzen Serotonin, Dopamin und den Endorphinen. An dieser Stelle setzt auch die Autismus-Therapie an: Substanzen, die im Überschuß vorhanden sind, werden abgefangen und solche, die in verminderter Konzentration vorliegen, werden angereichert. Rückenwind bekommt die Behandlung durch ein nichtmedikamentöses Verfahren: es heißt Neurofeedback und zielt darauf ab, daß bestimmte Hirnwellen, die gesundungsfördernd sind durch Selbststeuerung vermehrt aktiviert werden. Eingesetzt wird dabei neueste Computertechnik. Mittels speziell entwickelter Verstärker werden Hirnströme über an die Kopfhaut angeklebte Elektroden abgeleitet und sichtbar gemacht. Die Signale werden mittels komplizierter Technik in ein Bild übersetzt, das der Patient zu verstehen vermag, zum Beispiel in ein Flugzeug, das hoch fliegen (entsprechend einer Aktivierung der gefilterten Hirnwellen) oder zur Landung ansetzen kann (entsprechend einer Deaktivierung der gefilterten Hirnwellen). Mit zunehmender Übung erlangt der Patient die Fähigkeit, steuernd in seine Hirnaktivitäten einzugreifen und beispielsweise andrängende Impulse zu bremsen. Während Verfahren wie die repetitive transkranielle Magnetstimulation (rTMS) mittels Elektromagneten das Gehirn zu stimulieren vermögen, vermittelt Neurofeedback dem Probanden die Fähigkeit, selbst elektrische Aktivitäten anzureichern oder zu vermindern. Das Verfahren ist wissenschaftlich an führenden Universitätskliniken untersucht und als in höchstem Maße geeignet bewertet worden. Es wird bislang bei nur sehr wenigen auf Neurofeedback spezialisierten Ärzten angeboten. Dr.med.Dipl.Biol. Peter Tamme http://www.online-artikel.de/

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