Montag, 13 April 2015 11:30

Start-ups sollten sich VC-Geber suchen, die viel Geld mobilisieren können

Gut 250 Studenten und Unternehmensvertreter diskutieren heute und morgen (10./11. April 2015) auf der Entrepreneurship-Konferenz "Accelerate@HHL 2015"; an der HHL Leipzig Graduate School of Management über neue Geschäftsmodelle im Bereich der Finanztechnologie ("FinTech") und die Zukunft der Finanzbranche. Neben Gastbeiträgen aus dem Start-up-, Inkubatoren-, sowie Firmenumfeld gibt es reichlich Gelegenheit für die Teilnehmer, sich untereinander zu vernetzen sowie Ideen auszutauschen.

Im Fokus: Der Anlageprozess von VC-Firmen

Im Rahmen der Konferenz fand heute die 5. Leipzig Entrepreneurship Lecture über Kapitalflüsse in der Venture-Capital-Industrie statt. Gastredner war Prof. Dr. Andreas Kuckertz, Entrepreneurship-Professor an der Universität Hohenheim. Sein Vortrag behandelte Strategien und Taktiken von Risikokapital (VC)-Firmen bei der Mittel-Beschaffung von Anlegern sowie gemeinsamen Investitionen mit anderen VC-Firmen ("Syndizierung"). In diesem Zusammenhang stellte Prof. Kuckertz eine Reihe von veröffentlichten und unveröffentlichten Studien aus seiner Arbeitsgruppe vor. Gezeigt wurden hierdurch die Erfolgsfaktoren in Bezug auf zwei wichtige Schritte im Anlageprozess von VC-Gesellschaften. Im einzelnen erläuterte Prof. Kuckertz, wie der Prozess der Kapitalbeschaffung strukturiert werden kann, wie VC-Gesellschaften fehlende Erfahrung innerhalb dieses Prozesses ausgleichen können und wie vor allem neue Marktteilnehmer in der VC-Industrie Syndizierung nutzen, um erfolgreiche Investitionsstrategien entwickeln zu können.

Syndizierung in Deutschland verbreitet

Auf dem anschließenden Panel, das von Prof. Dr. Andreas Pinkwart, Rektor sowie Inhaber des Stiftungsfonds Deutsche Bank Lehrstuhls für Innovationsmanagement und Entrepreneurship, moderiert wurde, diskutierten neben Prof. Dr. Andreas Kuckertz, Simon Schmincke (earlybid VC), Michael Backes (liquid labs), Dirk Kohlen (eCapital) sowie Dr. Dorian Proksch (HHL). Auf die Frage nach Erfolgsfaktoren sagte Prof. Kuckertz: "Unsere Forschung hat gezeigt: Nur die Syndizierung führt zum Erfolg. Im Geschäftsleben haben wir es stets mit Menschen zu tun. Hierbei gilt: Wir sind erfolgreich, wenn wir mit anderen zusammenarbeiten." In Deutschland, so der Experte, stünden VC-Firmen gemeinsamen Investitionen mit Ihresgleichen offen gegenüber; einige Fonds würde dies bereits im großen Stile tun. Andere haben hier allerdings auch noch Nachholbedarf, was auch von Herrn Kohen geteilt wurde. Insgesamt werde in Deutschland nach wie vor noch zu wenig VC-Kapital angeboten, dies gelte insbesondere für die späteren Finanzierungsphasen bei schnell wachsenden Start-ups. In Bezug auf diese Finanzierungslücke meinte Simon Schmincke: "Sicherlich benötigen wir in Deutschland mehr aber keinesfalls größere Fonds. Der Grund: Kleinere Fonds sind häufig erfolgreicher und es ist besser, rasch nacheinander einen neuen Fonds zu eröffnen. Generell sei Kapital in Deutschland vorhanden, jedoch würde die Mehrzahl der VC-Firmen an den angestammten Anlegern festhalten und daher nicht so dynamisch wachsen wie in den USA. Bezogen auf die Kapitalbeschaffung innerhalb der FinTech-Industrie waren sich die Diskutanten einig, dass es hierfür keiner separaten Fonds bedürfe, allerdings müsse die Aufmerksamkeit für diese neuen Geschäftsmodelle erhöht werden. Am Ende der Diskussion sprach Prof. Pinkwart die Internationalisierungsstrategie von Start-ups an. Beispiele aus den USA zeigten, dass es dortigen Start-ups eher gelänge, früher und sehr massiv zu internationalisieren. Dr. Proksch verwies in diesem Zusammenhang auf empirische Studien aus der HHL, die eine noch zu niedrige Internationalisierungsrate bei deutschen Start-ups nachweisen. Gründe hierfür sieht der Forscher in einem Mangel an VC-Kapital und internationalen Patenten sowie hinreichend ehrgeizigen Wachstumsplänen. Michael Backes verwies auf die besondere Rolle der Regulierung für die FinTech-Industrie. Daher spiele die Internationalisierung im Bereich des FinTech anders als in nahezu allen anderen HighTech-Bereichen bislang keine allzu große Rolle.

Organisiert wird das englischsprachige Entrepreneurship-Event durch die studentische Gründerinitiative Accelerate@HHL; die 5. Leipzig Entrepreneurship Lecture vom Stiftungsfonds Deutsche Bank Lehrstuhl für Innovationsmanagement und Entrepreneurship der HHL. Unterstützer der diesjährigen Konferenz sind die Premium Sponsoren zeb/rolfes.schierenbeck.associates und FinLeap sowie die Sponsoren Commerzbank, Deutsche Bank, Rheingau Founders, Finanzcheck.de sowie Möller-Bornemann. Weitere Informationen: www.hhl.de/leipzig-entrepreneurship-lecture sowie www.accelerate-entrepreneurship.com.

Über die Gründerschmiede HHL Leipzig Graduate School of Management

Mit über 150 Gründungen, die in den letzten 17 Jahren von HHL-Absolventen ausgegangen sind, hat sich Deutschlands erste Adresse für den Management-Nachwuchs auch zu einem sehr erfolgreichen Inkubator für Unternehmensgründungen entwickelt. Durch das unternehmerische Engagement der Gründer konnten bereits mehr als 2.500 Jobs geschaffen werden, über 1.100 davon allein in der Region Leipzig. 2013 und auch 2014 errang die HHL einen der drei ersten Plätze für die besten Gründerhochschulen in Deutschland innerhalb des vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft und dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) herausgegebenen Rankings "Gründungsradar". Laut der Financial Times liegt die HHL im Bereich Entrepreneurship innerhalb des M.Sc.- sowie des EMBA-Programms national auf Platz 1 bzw. global unter den Top 5. www.hhl.de/EntrepreneurialGraduateSchool

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